Persönliche Betroffenheit
Mit frischen 16 Jahren war ich natürlich mitten in der Pubertät. Meine Haut war teilweise unrein und mit meinem frisch verliebten Freund wollte ich auch in meiner Beziehung einen Schritt weiter gehen.
Bei einem Gespräch mit meiner Gynäkologin entschied ich mich schliesslich für die Antibabypille. Sie informierte mich dabei vor allem über die vielen Vorteile, wie zum Beispiel eine Verbesserung der Haut, eine regelmässigere Menstruation, weniger Menstruationsbeschwerden und ein hoher Verhütungsschutz. Die möglichen Risiken wurden jedoch kaum thematisiert. Positiv gestimmt willigte ich ein und nahm die Pille fortan täglich zu mir.
Durch die Pille verschwanden tatsächlich alle meine Hautunreinheiten und meine Menstruation war angenehmer und kontrollierbarer. Leider gelingt mir die pünktliche Einnahme der Pille nicht immer. Gerade an Wochenenden, wenn ich unterwegs bin, verpasse ich manchmal den Zeitpunkt der Einnahme. Ich nehme die Pille dann ein paar Stunden später ein und das funktioniert bisher ohne Beschwerden.
Jedoch bemerkte ich dieses Jahr, als ich für den Sport Kontaktlinsen ausprobiert habe, dass meine Augen nach wenigen Minuten trocken werden und zu jucken beginnen. Als ich schliesslich in die Packungsbeilage schaute, stiess ich auf eine Linsenunverträglichkeit, die die Pille verursachen kann.
Krebsfälle in meinem Umfeld
Als die ehemalige Partnerin meines Vaters im Sommer 2023 an Brustkrebs erkrankte, wurde sie von den behandelnden Ärzten darauf hingewiesen, dass der Tumor hormonell bedingt wäre. Da sie als junge Frau ebenfalls mit der Pille verhütete, wies sie mich darauf hin, dass dies wahrscheinlich der Grund für ihren Krebs wäre. Durch diesen Schock traf ich mich erneut mit meiner Gynäkologin, doch diese versicherte mir, noch nie etwas von einem erhöhten Krebsrisiko in Bezug auf hormonelle Verhütung gehört zu haben. Mit einem besseren Gefühl verliess ich das Gespräch. Doch als ich erfuhr, dass die neue Partnerin meines Vaters ebenfalls einen vermutlich hormonell bedingten Brustkrebs erlitt, war dies ein Rückschlag.
Zudem verstarb mein Opa vergangenen Sommer an Krebs. Seither beängstigt mich der Gedanke noch mehr, selbst Krebs zu bekommen.
Von da an ging es mit den Gerüchten los. In den sozialen Medien tauchten immer häufiger Posts auf, in denen es hiess, man solle die Pille so schnell wie möglich absetzen oder sie gar nicht erst nehmen. Hinzu kam, dass ich bemerkte, wie unterschiedlich die Erfahrungen und Meinungen zu hormoneller Verhütung sein können. Einige meiner Freundinnen sehen darin eine grosse Erleichterung, während andere von Nebenwirkungen und gesundheitlichen Sorgen erzählen.
Diese widersprüchlichen Eindrücke haben meine Unsicherheit verstärkt. Ich war hin- und hergerissen zwischen den vielen Gerüchten und der Aussage meiner Gynäkologin. Ich wusste nicht, auf was ich mich verlassen oder wem ich vertrauen kann. So entschied ich mich schlussendlich, für mich und für die Leser dieser Vertiefungsarbeit Klarheit zu schaffen.
Wunsch um Klarheit
Mein Wunsch ist es, reinen Wein einzuschenken. Ich möchte verstehen, wie gross die tatsächlichen Risiken hormoneller Verhütung sind, insbesondere in Bezug auf Krebs. Mein Ziel ist, nicht nur für mich, sondern auch für andere Klarheit zu schaffen und ihnen helfen, informierte und orientierte Entscheidungen zu treffen.
Während der VA ist es mir wichtig, neutral zu bleiben und keine Verhütungsmethode schlechtzureden. Denn jede hat ihre eigenen Vor- und Nachteile und nicht jede passt auch zu jedem Menschen. Aus diesem Grund möchte ich ebenfalls herausfinden, welche Alternativen besser zu meinem Körper und meinen Bedürfnissen passen.
Ich frage mich oft, wie ich durch meine Pilleneinnahme meinen eigenen Körper beeinflusse. Verändert sie nur meine Haut und meinen Zyklus oder beeinflusst die auch meine Stimmung, mein Begehren und meine Selbstwahrnehmung? Genau diese Unsicherheiten motivieren mich, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Relevanz für junge Menschen
Das Thema Verhütung betrifft jede und jeden. Besonders junge Frauen stehen irgendwann vor der Entscheidung, wie sie verhüten sollen. Doch auch junge Männer sollten informiert sein und Verantwortung übernehmen.
Offene Kommunikation und Aufklärung spielen in der Gesellschaft eine grosse Rolle. Leider werden Themen wie Sexualität und Verhütung in einigen Familien immer noch tabuisiert, was bei jungen Menschen zu Informationslücken führt. Dadurch sind sie gezwungen, sich selbst Antworten zu suchen
Deshalb liegt es mir am Herzen, meine Erfahrungen und Recherchen zu teilen, weil ich denke, dass viele junge Menschen ähnliche Unklarheiten haben. Gerade in der heutigen Zeit, in der viele Informationen auf den sozialen Medien mehr Angst machen als zu informieren. Dadurch sind junge Menschen oft hin- und hergerissen zwischen Aussagen von Fachpersonen, dem Internet, Freunden und persönlichen Erfahrungen.
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